Diese Frage hören wir häufig in unserer Sprechstunde. Viele Frauen kommen mit gemischten Gefühlen zu uns. Sie haben über Jahre versucht abzunehmen, treiben regelmässig Sport und ernähren sich bewusst. Trotzdem verändern sich ihre Beine oder Arme kaum.
Andere wiederum bemerken eine Gewichtszunahme und sorgen sich, ob ein Lipödem dahinterstecken könnte.
Die Wahrheit ist: Nicht jede Gewichtszunahme ist ein Lipödem. Und nicht jedes Lipödem geht mit Übergewicht einher.
Anhand anonymisierter und vereinfachter Fallbeispiele aus unserer Praxis möchten wir zeigen, worauf wir bei der Diagnostik achten – und warum die Zahl auf der Waage allein nicht ausreicht.
Frau A. – Name geändert – ist 48 Jahre alt. Nach den Wechseljahren nahm sie innerhalb von vier Jahren rund 15 Kilogramm zu. Besonders ihre Beine kamen ihr deutlich kräftiger vor. Sie machte sich Sorgen und stiess im Internet auf Informationen zum Lipödem.
Einige Beschreibungen kamen ihr bekannt vor. Deshalb wollte sie abklären lassen, ob hinter der Veränderung ihrer Beine möglicherweise ein Lipödem steckt.
Bei der Untersuchung zeigte sich jedoch ein anderes Bild.
Nach einer ausführlichen Untersuchung konnten wir ein Lipödem ausschliessen. Die Gewichtszunahme stand eher im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen, einem veränderten Energieverbrauch und weniger Bewegung.
Unser Fazit: Nicht jede Veränderung der Beine bedeutet automatisch ein Lipödem.
Frau B. ist 31 Jahre alt. Mit einem BMI von 22 galt sie als normalgewichtig. Trotzdem hatte sie seit ihrer Jugend auffallend kräftige Beine.
Besonders belastend waren jedoch nicht nur die Proportionen, sondern vor allem die Schmerzen. Bereits leichtes Drücken verursachte Beschwerden. Nach einem langen Arbeitstag fühlten sich ihre Beine schwer und gespannt an. Blaue Flecken entstanden schon nach kleinen Stössen.
Mehrere Diäten führten zwar zu einer Gewichtsabnahme am Oberkörper. Die Beine blieben jedoch nahezu unverändert.
Bei der Untersuchung zeigte sich ein deutliches Lipödem im Stadium II.
Unser Fazit: Ein normales Körpergewicht schliesst ein Lipödem keineswegs aus.
Frau C. ist 37 Jahre alt. Sie war regelmässig im Fitnessstudio, achtete auf ihre Ernährung und bewegte sich viel. Trotzdem hatte sie das Gefühl, dass ihre Beine ständig schwer wurden.
Wanderungen oder längere Spaziergänge empfand sie zunehmend als anstrengend. Zunächst vermutete sie, sie sei einfach nicht fit genug oder müsse noch konsequenter trainieren.
Im Gespräch stellte sich heraus, dass bereits ihre Mutter ähnliche Beschwerden hatte. Auch die typische Fettverteilung, die Druckempfindlichkeit und der Verlauf der Beschwerden passten zum Bild eines Lipödems.
Die Untersuchung bestätigte den Verdacht.
Rückblickend sagte Frau C.:
„Ich habe jahrelang geglaubt, ich trainiere einfach nicht genug.“
Unser Fazit: Viele Frauen mit Lipödem sind aktiv, sportlich und ernährungsbewusst. Die Beschwerden lassen sich nicht einfach mit mangelnder Fitness erklären.
Die Diagnose Lipödem wird nicht anhand einer Waage gestellt.
Natürlich spielt das Körpergewicht in der medizinischen Beurteilung eine Rolle. Es kann Beschwerden beeinflussen und zusätzliche Belastungen für Gelenke, Venen und Lymphsystem verursachen. Für die Frage, ob ein Lipödem vorliegt, ist aber das Gesamtbild entscheidend.
Wir achten bei der Untersuchung unter anderem auf:
Erst aus der Kombination dieser Faktoren ergibt sich eine fundierte medizinische Einschätzung.
Die folgenden Merkmale können Hinweise geben. Sie ersetzen jedoch keine ärztliche Diagnose.
Normale Gewichtszunahme |
Lipödem |
|---|---|
| Fett verteilt sich meist eher gleichmässig. | Die Fettverteilung ist häufig auffällig und symmetrisch. |
| Bauch, Rücken, Arme und Beine können gemeinsam zunehmen. | Beine und/oder Arme sind oft deutlich stärker betroffen als der Oberkörper. |
| Abnehmen reduziert das Fett meist am ganzen Körper. | Beine oder Arme sprechen oft deutlich schlechter auf Gewichtsverlust an. |
| Schmerzen sind eher untypisch. | Druckschmerzen und Berührungsempfindlichkeit sind häufig. |
| Blaue Flecken treten nicht vermehrt auf. | Viele Betroffene berichten über eine erhöhte Neigung zu Blutergüssen. |
| Die Proportionen verändern sich meist im Rahmen der allgemeinen Gewichtszunahme. | Die Körperproportionen können deutlich unausgewogen wirken. |
| Die Veränderung hängt oft mit Ernährung, Aktivität, Alter oder hormonellen Veränderungen zusammen. | Hormonelle Phasen können den Beginn oder die Verschlechterung begünstigen, erklären die Erkrankung aber nicht allein. |
Wichtig ist: Diese Unterschiede sind Orientierungspunkte. In der Praxis gibt es Mischformen. Eine Frau kann ein Lipödem haben und zusätzlich übergewichtig sein. Ebenso kann eine Gewichtszunahme ohne Lipödem vorliegen.
Genau deshalb ist eine sorgfältige Abklärung so wichtig.
Viele Frauen informieren sich zuerst online. Das ist verständlich. Fotos, Erfahrungsberichte und Selbsttests können helfen, erste Hinweise zu erkennen.
Trotzdem bleibt die Selbstdiagnose schwierig.
Denn viele Symptome können sich überschneiden. Kräftige Beine, Schwellungen, Schmerzen oder Spannungsgefühle können verschiedene Ursachen haben. Neben einem Lipödem kommen zum Beispiel auch eine allgemeine Gewichtszunahme, ein Lymphödem, Venenerkrankungen, hormonelle Veränderungen oder andere medizinische Ursachen infrage.
Deshalb empfehlen wir, Beschwerden nicht ausschliesslich anhand von Fotos, Checklisten oder Beiträgen in sozialen Medien zu beurteilen.
Eine gründliche Untersuchung ist der wichtigste Schritt, um Klarheit zu gewinnen.
Kräftige Beine allein bedeuten nicht automatisch Lipödem.
Es gibt viele Frauen mit kräftiger Beinmuskulatur, weiblicher Fettverteilung oder einer genetisch bedingten Körperform, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. Entscheidend ist deshalb nicht nur das Aussehen.
Wichtiger sind Fragen wie:
Diese Fragen helfen, normale körperliche Unterschiede von möglichen Krankheitszeichen zu unterscheiden.
Nicht jede Frau mit kräftigen Beinen hat ein Lipödem.
Aber ebenso wenig ist jede Frau mit Lipödem übergewichtig.
Entscheidend sind nicht einzelne Fotos, Kleidergrössen oder die Zahl auf der Waage. Entscheidend ist die Kombination aus Fettverteilung, Beschwerden, Krankheitsgeschichte und körperlicher Untersuchung.
Wenn Beschwerden über längere Zeit bestehen, wenn Beine oder Arme trotz Gewichtsverlust kaum reagieren oder wenn typische Schmerzen und Druckempfindlichkeit auftreten, lohnt sich eine fachärztliche Abklärung.
Denn je früher ein Lipödem erkannt wird, desto besser können geeignete Behandlungsmöglichkeiten gemeinsam geplant werden.
In der LIPÖDEMCLINIC nehmen wir uns Zeit für eine sorgfältige Diagnostik. Wir besprechen Ihre Beschwerden, Ihre Vorgeschichte und Ihre bisherigen Erfahrungen – und klären gemeinsam, ob ein Lipödem vorliegt oder ob andere Ursachen wahrscheinlicher sind.
Wir verstehen, dass die Behandlung eines Lipödems wohl überlegt sein will. Gerne nehmen wir uns deshalb die Zeit, um Ihnen im Rahmen einer unverbindlichen Erstkonsultation alle Fragen zu beantworten. Vereinbaren Sie noch heute Ihren Beratungstermin in der LIPÖDEMCLINIC.
Sollten Sie vor der Beratung eine kurze Vorabklärung wünschen, können Sie uns gerne per E-mail kontaktieren.
Egal, auf welchem Weg Sie uns erreichen wollen – wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören/lesen!