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Was passiert eigentlich im Fettgewebe bei einem Lipödem?

„Wenn ich weniger esse und mehr Sport mache – warum werden meine Beine dann trotzdem nicht schlanker?“

Diese Frage stellte uns Frau L. – Name geändert – bei ihrem ersten Termin in unserer Sprechstunde.

Sie war 35 Jahre alt, ging drei- bis viermal pro Woche ins Fitnessstudio und hatte in den vergangenen zwei Jahren fast zehn Kilogramm abgenommen. Doch während ihre Taille schmaler wurde, blieben ihre Beine nahezu unverändert.

Sie war frustriert.

„Ich verstehe meinen Körper einfach nicht mehr.“

Eine Reaktion, die wir in unserer Praxis häufig erleben. Denn ein Lipödem ist keine gewöhnliche Fettansammlung. Im Fettgewebe laufen Prozesse ab, die sich deutlich von einer normalen Gewichtszunahme unterscheiden können.

Fett ist viel mehr als ein Energiespeicher

Viele Menschen denken bei Fettgewebe zuerst an überschüssige Kalorien.

Tatsächlich ist Fettgewebe jedoch ein aktives Organ. Es speichert nicht nur Energie, sondern produziert Botenstoffe, steht im Austausch mit dem Immunsystem und wird von zahlreichen kleinen Blutgefässen und Lymphgefässen durchzogen.

Beim Lipödem scheint dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht zu geraten. Das erklärt, warum sich die Beschwerden nicht einfach mit „zu wenig Sport“ oder „zu viel Essen“ erklären lassen.

Warum verändert sich das Fettgewebe beim Lipödem?

Die genaue Ursache des Lipödems ist bis heute nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenspielen.

Dazu gehören vermutlich:

  • Genetische Veranlagung
  • Hormonelle Einflüsse
  • Veränderungen im Fettgewebe
  • Veränderungen der kleinsten Blutgefässe
  • Mögliche entzündliche Prozesse im Gewebe

Auffällig ist, dass ein Lipödem häufig in hormonellen Umbruchphasen beginnt oder sich verstärkt. Dazu zählen zum Beispiel Pubertät, Schwangerschaften oder die Wechseljahre.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Hormone allein die Erkrankung erklären. Wahrscheinlich handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Mechanismen.

Was passiert mit den kleinsten Blutgefässen?

Im Fettgewebe verlaufen sehr viele feine Blutgefässe. Sie versorgen die Fettzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen und spielen eine wichtige Rolle für den Flüssigkeitshaushalt im Gewebe.

Beim Lipödem gibt es Hinweise darauf, dass diese kleinsten Gefässe verändert sein können. Sie scheinen bei manchen Betroffenen durchlässiger zu sein als normalerweise. Dadurch kann vermehrt Flüssigkeit in das umliegende Gewebe austreten.

Das Gewebe kann anschwellen, der Druck nimmt zu und die Beine fühlen sich schwerer an.

Viele Patientinnen beschreiben genau dieses Gefühl als:

  • Spannungsgefühl
  • Schwere Beine
  • Druckschmerz
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Müdigkeit in den Beinen

Gerade dieser Druck im Gewebe kann erklären, warum sich ein Lipödem für Betroffene so unangenehm anfühlt, auch wenn von aussen nicht immer sofort starke Veränderungen sichtbar sind.

Welche Rolle spielt das Lymphsystem?

Das Lymphsystem funktioniert wie eine Art Reinigungssystem des Körpers. Es sammelt überschüssige Flüssigkeit, Eiweisse und Stoffwechselprodukte aus dem Gewebe und transportiert sie wieder ab.

Beim Lipödem arbeitet das Lymphsystem zu Beginn häufig noch ausreichend. Mit der Zeit kann es jedoch stärker belastet werden, weil im Gewebe mehr Flüssigkeit anfällt und die betroffenen Bereiche zunehmend unter Druck stehen.

Wenn diese Belastung dauerhaft zu gross wird, kann das Lymphsystem an seine Grenzen kommen. Dann können zusätzliche Schwellungen entstehen.

In manchen Fällen entwickelt sich im weiteren Verlauf neben dem Lipödem auch ein sogenanntes Lipo-Lymphödem. Dabei kommen Zeichen eines Lymphödems hinzu. Genau deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik wichtig: Lipödem, Lymphödem, Venenerkrankungen und andere Ursachen für Schwellungen sollten medizinisch voneinander unterschieden werden.

Warum entstehen Schmerzen?

Das ist eine der häufigsten Fragen unserer Patientinnen.

Eine einzelne Ursache gibt es wahrscheinlich nicht. Vielmehr dürften mehrere Faktoren zusammenwirken:

  • Erhöhter Druck im Gewebe
  • Veränderungen der Mikrogefässe
  • Reizung kleiner Nervenfasern
  • Entzündliche Prozesse im Fettgewebe
  • Schwellung und Spannungsgefühl

Das kann erklären, warum schon leichte Berührungen oder kleiner Druck Schmerzen auslösen können. Manche Patientinnen empfinden bereits das Anstossen an eine Tischkante, eine Massage oder enge Kleidung als unangenehm.

Viele Frauen sagen:

„Eigentlich sehen meine Beine gar nicht so schlimm aus – aber sie tun ständig weh.“

Genau das ist typisch für das Lipödem: Die Beschwerden sind nicht immer proportional zum äusseren Erscheinungsbild. Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie Beine oder Arme aussehen, sondern auch, wie sie sich anfühlen.

Gibt es Entzündungen beim Lipödem?

Ja, vermutlich spielen entzündliche Prozesse eine Rolle. Allerdings nicht so, wie viele Menschen sich eine Entzündung vorstellen.

Beim Lipödem handelt es sich nicht um eine akute bakterielle Entzündung mit Fieber, starker Rötung oder Eiter. Vielmehr werden chronische, niedriggradige Entzündungsprozesse im Fettgewebe diskutiert. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „silent inflammation“, also einer stillen Entzündung.

Dabei können Botenstoffe freigesetzt werden, die das Gewebe beeinflussen und möglicherweise zur Schmerzempfindlichkeit beitragen.

Die Forschung beschäftigt sich intensiv mit diesen Mechanismen. Noch sind jedoch nicht alle Zusammenhänge vollständig verstanden. Deshalb ist es wichtig, bei Erklärungen vorsichtig zu bleiben: Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung, aber viele Details zur Entstehung und Entwicklung werden weiterhin wissenschaftlich untersucht.

Warum hilft Sport trotzdem?

Eine Frage hören wir besonders häufig:

„Wenn Sport das Fett nicht verschwinden lässt – warum soll ich überhaupt trainieren?“

Die Antwort ist wichtig: Sport heilt das Lipödem nicht. Aber Bewegung kann dem Körper auf viele andere Arten helfen.

Regelmässige Aktivität kann:

  • Die Muskelpumpe aktivieren
  • Den Lymphabfluss unterstützen
  • Die Durchblutung verbessern
  • Die Beweglichkeit erhalten
  • Die Ausdauer steigern
  • Gelenke und Muskulatur stärken
  • Das allgemeine Wohlbefinden verbessern

Viele Patientinnen berichten, dass sich ihre Beine nach regelmässiger Bewegung leichter anfühlen. Besonders geeignet sind oft gelenkschonende Bewegungsformen wie Schwimmen, Aquafitness, Velofahren, Spazieren, Krafttraining oder Training auf dem Crosstrainer.

Wichtig ist: Bewegung sollte nicht als Strafe verstanden werden. Sie ist kein Beweis von Disziplin, sondern ein hilfreicher Baustein im Umgang mit der Erkrankung.

Warum verschwindet das Fett trotzdem nicht?

Das Fettgewebe beim Lipödem verhält sich anders als normales Fettgewebe.

Deshalb verlieren viele Frauen beim Abnehmen zuerst Fett am Oberkörper, im Gesicht oder an der Taille. Die Beine oder Arme verändern sich dagegen oft deutlich weniger. Für Betroffene ist das sehr frustrierend, weil sie viel investieren und trotzdem nicht dort Veränderungen sehen, wo sie am meisten leiden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Ernährung oder Bewegung sinnlos wären.

Ein gesundes Körpergewicht kann Gelenke, Venen, Lymphsystem, Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel entlasten. Eine ausgewogene Ernährung und regelmässige Bewegung können den Alltag mit Lipödem erleichtern und Begleitbeschwerden positiv beeinflussen.

Sie lassen das krankhaft veränderte Fettgewebe jedoch meist nicht einfach verschwinden.

Was bedeutet das für Betroffene?

Viele Frauen machen sich jahrelang Vorwürfe.

Sie glauben, sie hätten zu wenig Disziplin. Sie hätten sich falsch ernährt. Oder sie hätten einfach nicht genug Sport gemacht.

Unsere Erfahrung zeigt jedoch etwas anderes: Die meisten Patientinnen haben bereits sehr viel ausprobiert. Sie haben Diäten gemacht, Sportprogramme begonnen, Kompression getragen, Lymphdrainagen erhalten oder verschiedene Therapien getestet.

Das Problem ist nicht mangelnder Wille.

Das Problem ist eine chronische Erkrankung, bei der sich das Fettgewebe anders verhält als bei einer normalen Gewichtszunahme.

Allein diese Erkenntnis kann für viele Betroffene entlastend sein. Sie hilft, den eigenen Körper besser zu verstehen und die nächsten Schritte nicht aus Schuldgefühl, sondern aus medizinischer Klarheit zu planen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung eines Lipödems hängt immer von der individuellen Situation ab. Entscheidend sind unter anderem Beschwerden, Stadium, Körpergewicht, Begleiterkrankungen, bisherige Therapien und persönliche Ziele.

Zu den möglichen Bausteinen gehören:

  • Kompression
  • Manuelle oder apparative Lymphdrainage
  • Regelmässige Bewegung
  • Gewichtsmanagement bei zusätzlichem Übergewicht
  • Entzündungsarme, ausgewogene Ernährung
  • Schmerzmanagement
  • Hautpflege
  • Operative Behandlung bei geeigneten Patientinnen

Eine Liposuktion kann bei passenden Voraussetzungen eine wichtige Behandlungsoption sein. Sie kann krankhaft verändertes Fettgewebe reduzieren, Beschwerden lindern, die Körperform verbessern und die Lebensqualität deutlich steigern.

Sie sollte jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Gute Ergebnisse entstehen meist durch ein Gesamtkonzept aus Diagnostik, konservativen Massnahmen, Bewegung, Körperbewusstsein und – wenn sinnvoll – operativer Behandlung.

Ob eine Liposuktion im Einzelfall geeignet ist, sollte immer fachärztlich abgeklärt werden.

Unser Fazit

Ein Lipödem ist weit mehr als eine Ansammlung von Fettzellen.

Im Fettgewebe verändern sich vermutlich Blutgefässe, Flüssigkeitshaushalt, Gewebedruck, Nervenreizungen und entzündliche Prozesse. Dadurch können Beschwerden wie Schmerzen, Druckempfindlichkeit, schwere Beine und Spannungsgefühl entstehen.

Sport und eine gesunde Ernährung bleiben trotzdem wichtige Bausteine. Sie verbessern die körperliche Fitness, unterstützen Stoffwechsel und Lymphfluss und können Beschwerden lindern – auch wenn das krankhaft veränderte Fettgewebe dadurch meist nicht einfach verschwindet.

Wer versteht, was im eigenen Körper passiert, kann die Erkrankung oft besser einordnen. Und wer die Beschwerden richtig einordnet, kann gemeinsam mit spezialisierten Ärztinnen und Ärzten die passende Behandlung planen.

In der LIPÖDEMCLINIC nehmen wir uns Zeit für eine sorgfältige Diagnostik und ein persönliches Gespräch. Wir besprechen Ihre Beschwerden, Ihre Vorgeschichte und Ihre bisherigen Therapien – und klären gemeinsam, welche Behandlungsmöglichkeiten in Ihrem Fall sinnvoll sind.

Sie möchten mehr über die Lipödem-Behandlung erfahren? Gerne sind wir jederzeit für Sie da! 

Wir verstehen, dass die Behandlung eines Lipödems wohl überlegt sein will. Gerne nehmen wir uns deshalb die Zeit, um Ihnen im Rahmen einer unverbindlichen Erstkonsultation alle Fragen zu beantworten. Vereinbaren Sie noch heute Ihren Beratungstermin in der LIPÖDEMCLINIC. 

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